(c) Inkens, Jan ´03

Wir möchten Ihnen eine Hunderasse vorstellen, die keinen jahrhundertlangen Werdegang aufweist, sondern die ihren Ursprung in einer zufälligen Paarung im Jahre 1945 fand. Der Kromfohrländer ist ein temperamentvoller, anhänglicher Vierbeiner, der ausschließlich als Begleithund gezüchtet wurde und nicht auf eine Geschichte als Jagd- oder Hütehund zurückblicken kann. Dieser Hund ist bei uns leider recht selten zu sehen, wir möchten aber gern auf die Rasse aufmerksam machen und auch auf seine vielen guten Eigenschaften hinweisen. 

Amerikanische Soldaten, die 1945 durchs Siegener Land zogen, brachten einen struppigen jungen Hund mit, der ihnen wohl in Frankreich zugelaufen war. Er hatte rauhaariges, weißes Fell mit hellbraunen Platten. In der Literatur wird dieses vierbeiniges Mitbringsel verschiedenen Rassen zugeordnet, so unter anderem auch dem Bretonischen Griffon und dem Englischen Griffon. Ob dieser Hund tatsächlich reinrassig war, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen. Wie man sich vorstellen kann, war nicht in Erfahrung zu bringen, ob das Tier so etwas wie einen Stammbaum je besessen hat. Am wahrscheinlichsten ist die Annahme, dass es sich um eine Art „Französischer Vorstehhund“ handelte, der zumindest von seiner Erscheinung her viel mit dem Briquet Griffon Verdeen gemeinsam hatte. Ob dieser Hund zurückgelassen worden war oder von sich aus desertierte ist ungewiss. Jedenfalls wurde er streunend in Ferndorf bei Siegen gefunden. Er war erst etwa ein halbes Jahr alt und wäre wahrscheinlich verhungert, wenn ihn nicht Frau Ilse Schleifenbaum unter ihre Fittiche genommen hätte. Er wurde „Peter“ getauft und aufgepäppelt.

Eine Nachbarin von Frau Schleifenbaum besaß eine schwarz-weiße Foxterrier-Hündin. Diese Hündin „Fiffi“ und „Peter“ verstanden sich offensichtlich gut, denn nach einiger Zeit warf „Fiffi“ Welpen, die ihre Farbe des Fells eindeutig von „Peter“ geerbt hatten. Erstaunlicherweise waren sich die Welpen sehr ähnlich, alle weiß mit braunen Flecken. Die Welpen wiesen nicht die enormen Schwankungen untereinander auf, die typisch für Bastarde gewesen wären, sondern der Wurf war nahezu homogen.

Frau Schleifenbaum wurde in ihrem Vorhaben, diese Tiere weiter zu züchten, von einem Tierarzt bestärkt, dem ebenfalls die Gemeinsamkeiten der Merkmale der Welpen aufgefallen war. Es gab insgesamt sieben Würfe aus der Verbindung „Peter“ und „Fiffi“. Schon 1953 wurde diese neue Hundrasse vom VDH anerkannt.

Von Beginn an wurde eine sehr strenge Zuchtwahl betrieben. Es wurden, bis auf eine einzige Ausnahme (eine Foxterrier-Hündin), lediglich Nachkommen von den Stammeltern zur Welpenzucht eingesetzt. Frau Schleifenbaum wählte davon lediglich neun Hunde für Zucht aus, so dass man sich vorstellen kann, in welchem Maße auch Inzucht betrieben wurde. Da die Mutterhündin „Fiffi“ schwarz-weiß war, Frau Schleifenbaum jedoch die braunen Abzeichen bevorzugte, hätte Sie der neuen Rasse ohne Inzucht nicht zu der gewünschten Farbe verhelfen können, denn die schwarze Farbe vererbt sich dominant. Darauf ist wohl auch zurückzuführen, dass immer wieder Welpen mit schwarzen Platten geworfen wurden. Durch die starke Inzucht mit braun-weißen Hunden, wurden die braunen Abzeichen immer heller und verwaschener, so dass Frau Schleifenbaum nicht umhin kam,
u. a. mit einer geringen Anzahl schwarz-weißer Hunde weiter zu züchten.
 

Der Name der neuen Hunderasse bezieht sich auf einen Landstrich aus der Heimat der Hunde. Dort gab es eine Gemarkung mit dem Namen „Krumme Furche“, auf Plattdeutsch „Krom Fohr“.  

Der Kromfohrländer ist ein mittelgroßer Hund mit einer Widerristhöhe von 38-46 cm, das Gewicht beträgt etwa 12 kg. Die Augen sind oval und mittelgroß, sie sind dunkel und stehen leicht schräg. Diese Rasse hat dreieckige, abgerundete Kippohren und eine schwarze Nase.
Das Fell des Kromfohrländers ist weiß mit hell- bis dunkelbraunen Abzeichen. Schwarze Platten sind nicht erwünscht.

Gemäß Zuchtstandard sollen die Hunde Rauh- oder Stockhaar aufweisen, allerdings kann man noch oft einen deutlichen Langhaarfaktor erkennen, der sich in einer Fahnenbildung an der Rückseite der Vorderläufe und am Schwanz zeigt. In dieser unterschiedlichen Haarstruktur mag der Grund dafür zu sehen sein, dass der Kromfohrländer von machen Kynologen nur widerwillig als Rassehund akzeptiert wird. (Böse Zungen sollen sogar die Bezeichnung „Siegener Bastard“ gewählt haben...).

Das Haarkleid des Kromfohrländers ist pflegeleicht, es ist völlig ausreichend, den Hund einmal pro Woche zu bürsten. Der fröhliche Begleithund ist sehr anpassungsfähig und kann sich bei entsprechendem Auslauf in einer Etagenwohnung wohlfühlen. Kromfohrländer sind anhänglich und lernfreudig, dabei kommt ihnen vielleicht die terriertypische Neugierde zugute. Diese Hunderasse ist sehr ausgewogen und wesensfest. Wahrscheinlich kommt es auch manchem Hundebesitzer entgegen, dass bei der Zucht des Kromfohrländers nie die jagdliche Passion verstärkt wurde. Ein Hund, dem die Neigung zum Fährtenaufspüren oder gar Wildern völlig fremd ist, ist sicher nicht nur den Joggern und Fahrradfahrern ein beliebter Begleiter.

Der Kromfohrländer ist außerhalb seines Herkunftslandes wenig bekannt. Außer in Deutschland, wird diese Rasse auch in der Schweiz und in Finnland gezüchtet. Gerade in Skandinavien ist der Kromfohrländer sehr beliebt und wird dort seit den sechziger Jahren in recht große Zahl gehalten.

 

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